Bei einem neuen Dach, einer Renovierung oder einem Holzbauprojekt müssen während der Planungsphase viele Entscheidungen getroffen werden.
Über Rc-Werte, Dämmstoffe, dampfdurchlässiges oder dampfdichtes Bauen, Detailplanung und Anschlüsse. Bei CLT und HSB kommt noch eine weitere Dimension hinzu: Wie bleibt das Holz während der Bauphase und im Gebrauch ausreichend trocken?
Diese Entscheidungen stützen sich auf Berechnungen, Modelle, Normen und Erfahrungswerte. Letztendlich handelt es sich jedoch um eine Prognose. Nach der Fertigstellung stellt sich daher eine mindestens ebenso interessante Frage:
Erfüllt das Dach, die Fassade oder das Gebäude in der Praxis auch das, was bei der Planung vorgesehen war?
Vom Messen zum Verstehen
Inscio misst schon seit längerer Zeit, was sich in einer Dach- oder Holzkonstruktion abspielt. Wir messen die freie Feuchtigkeit, die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit und verfolgen diese Werte kontinuierlich über einen längeren Zeitraum.
Mit unserer neuen Software gehen wir noch einen Schritt weiter.
Wir kombinieren die verschiedenen Messwerte, berechnen zusätzliche Werte wie den Taupunkt und analysieren, wie sich eine Konstruktion über längere Zeiträume verhält. Dabei geht es nicht nur um die Frage: Ist es irgendwo feucht?
Aber zum Beispiel auch, um zu prüfen:Trocknet die Konstruktion wie erwartet? Entsteht Kondenswasser? Ist eine Abweichung vorübergehend oder dauerhaft? Und reagiert das Gebäude auf Witterungsbedingungen so, wie wir es aufgrund des Entwurfs erwarten würden?
Gerade bei Dächern und im Holzbau
Bei Dächern und Holzkonstruktionen ist dies besonders relevant. Ein Dach befindet sich ständig an der Schnittstelle zwischen Innen- und Außenklima. Regen, Sonneneinstrahlung, Temperaturunterschiede, Luftfeuchtigkeit und Jahreszeiten beeinflussen das Verhalten des Dachaufbaus.
Bei CLT und HSB kommt noch die Feuchtigkeitsempfindlichkeit von Holz hinzu. Die Bauteile können während der Herstellung, des Transports, der Lagerung und der Montage Feuchtigkeit aufnehmen. Nach Fertigstellung der Konstruktion möchte man nicht nur wissen, ob Feuchtigkeit vorhanden ist, sondern vor allem, ob das Material anschließend auch tatsächlich wieder austrocknet.
Eine einzelne Messung sagt darüber wenig aus. Eine über Monate oder Jahre hinweg durchgeführte Messreihe hingegen schon.
Das lokale Wetter als Teil der Analyse
Messdaten gewinnen zudem erst dann wirklich an Aussagekraft, wenn man weiß, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind. Deshalb kombinieren wir in unserer Software die Sensordaten mit meteorologischen Daten des jeweiligen Standorts.
Niederschlag, Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit liefern den Kontext für die Messwerte, die wir im Inneren des Bauwerks erfassen.
Ein Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit während einer Phase mit anhaltendem Regen lässt sich beispielsweise gut erklären. Interessanter wird es, wenn sich ein Messpunkt danach nicht wieder normalisiert, während vergleichbare Messpunkte dies sehr wohl tun.
Das Gleiche gilt für den Holzbau. Eine feuchte CLT- oder HSB-Konstruktion während der Bauphase muss nicht unbedingt problematisch sein, solange aus den Daten hervorgeht, dass sie anschließend ausreichend und strukturell austrocknet.
Nicht der einzelne Wert, sondern das dahinterstehende Verhalten ist ausschlaggebend.
Was erzählt uns ein Gebäude?
Indem wir Daten über einen längeren Zeitraum hinweg zusammenführen und analysieren, können wir Fragen wie die folgenden immer besser beantworten:
- Trocknet die in CLT oder HSB enthaltene Baufeuchtigkeit ausreichend aus?
- Bleibt ein Dachpaket dauerhaft trocken?
- Wo und wann treten Bedingungen auf, unter denen es zu Kondensation kommen kann?
- Verhalten sich verschiedene Teile derselben Konstruktion ähnlich?
- Sind bestimmte Bereiche von Natur aus feuchter oder kälter?
- Wie reagiert ein Gebäude auf Regen, Frost, Hitze und Trockenperioden?
- Verhält sich ein Gebäude in der Praxis so, wie es bei der Planung erwartet wurde?
- Bleibt ein zuvor behobenes Feuchtigkeitsproblem tatsächlich gelöst?
- Entwickelt sich langsam ein Trend, der bei einer regelmäßigen Inspektion unbemerkt bleiben würde?
Damit werden Sensordaten auch außerhalb des klassischen Bereichs der Leckageerkennung interessant. Sie liefern Informationen über die Bauqualität und die tatsächliche Gebäudeperformance.
Software, die selbst mitschaut
Dabei ist es ausdrücklich nicht beabsichtigt, dass ein Gebäudeverwalter, Bauunternehmer oder Berater jeden Morgen ein Dashboard öffnet, um Dutzende von Diagrammen zu überprüfen.
Die Software soll diese Arbeit zu einem großen Teil übernehmen.
Deshalb entwickeln wir immer mehr Analysen und Warnmeldungen, die automatisch Grenzwerte, Dauer, Trends und abweichendes Verhalten überprüfen. Denn ein kurzer Spitzenwert muss nicht unbedingt von Bedeutung sein. Ein Wert, der langsam ansteigt und sich wochenlang nicht erholt, könnte es hingegen durchaus sein.
Das Gleiche gilt für die Kondensation. Ein theoretischer Taupunkt sagt zwar etwas aus, viel interessanter ist jedoch, wie oft eine bestimmte Situation auftritt, wie lange sie andauert und ob sich im Laufe der Zeit eine Veränderung abzeichnet.
Die Software überwacht den Vorgang kontinuierlich und macht darauf aufmerksam, wenn die Daten dies erfordern.
Ein Dach oder eine Holzkonstruktion erhält ein Gedächtnis
Langzeitmessungen haben noch einen weiteren Vorteil: Die Konstruktion erhält sozusagen ein Gedächtnis.
Wir können zurückblicken, wie ein CLT-Gebäude seinen ersten Winter überstanden hat. Wie schnell HSB-Elemente nach dem Bau ausgetrocknet sind. Was während einer extrem nassen Jahreszeit in einem Dach passiert ist. Oder ob sich eine Konstruktion nach einer Reparatur tatsächlich anders verhält.
Und je länger die Geschichte wird, desto mehr Bezüge entstehen.
Was ist das normale Verhalten dieser Struktur? Was passiert jede Saison aufs Neue? Und wann beobachten wir Abweichungen davon?
Darin liegt für uns ein wichtiger Teil der Zukunft der Überwachung.
Von der Theorie zur Praxis
Bauphysikalische Berechnungen und Modelle sind nach wie vor unverzichtbar. Sie bilden die Grundlage für eine gute Planung. Das Schöne daran ist jedoch, dass wir heute etwas hinzufügen können, was früher kaum möglich war:die kontinuierliche Überprüfung dessen, was nach der Fertigstellung tatsächlich geschieht.
Unsere neue Software wurde speziell nach diesem Grundgedanken entwickelt. Nicht als Sammlung von Dashboards mit möglichst vielen Sensordaten, sondern als Instrument, um Daten von Dächern, CLT- und HSB-Konstruktionen in verwertbare Informationen umzuwandeln.
Auf diese Weise können wir Design und Praxis immer näher zusammenbringen.
Vom Rechnen zum Messen. Vom Messen zum Verstehen. Und schließlich: von der Theorie zur Praxis.