Das Problem ist nicht der Holzbau. Das Problem ist der Mangel an Daten.
Die Versicherbarkeit von Holzbauwerken steht unter Druck. Nicht nur aufgrund von Bedenken hinsichtlich Brandschutz oder Feuchtigkeit, sondern auch aus einem anderen Grund: dem Mangel an Praxisdaten. Vor allem bei größeren oder mehrstöckigen Holzbauprojekten prüfen Versicherer die Risiken kritisch. Dies kann zu höheren Prämien, eingeschränkterem Versicherungsschutz oder in manchen Fällen sogar zur Verweigerung des Versicherungsschutzes führen.
Analysen unter anderem von Aon zufolge spielt dabei ein wichtiger Faktor eine Rolle: Es liegen noch relativ wenige historische Schadens- und Praxisdaten darüber vor, wie sich Massivholzkonstruktionen langfristig verhalten.
Das bedeutet nicht, dass der Holzbau per se risikoreicher ist als andere Bauweisen. Es bedeutet jedoch, dass die Branche noch viel aus den Erfahrungen mit realen Gebäuden lernen muss. Und genau hier kann die Überwachung eine Rolle spielen.
Zwei Perspektiven
Kürzlich durfte ich an einer Podiumsdiskussion im Pakhuis de Zwijger in Amsterdam teilnehmen. Thema: „Holzbau ist Gold wert, kann aber auch schiefgehen“, mit Schwerpunkt auf Feuchtigkeit. In der Diskussion kristallisierten sich im Grunde zwei Perspektiven heraus.
Die erste Sichtweise ist, dass Probleme im Holzbau vor allem durch eine gute Planung, eine sorgfältige Detailplanung und eine gewissenhafte Ausführung vermieden werden können. Wenn ein Gebäude gut geplant und gebaut wird, sollten Probleme mit Feuchtigkeit oder der Konstruktion grundsätzlich nicht auftreten.
Das ist ein logischer Ausgangspunkt. Denn eine gute Vorbereitung und eine gute Planung bilden nach wie vor die Grundlage jedes erfolgreichen Bauprojekts. Gleichzeitig zeichnete sich in den Vorträgen derselben Sitzung jedoch auch ein anderes Bild ab.
Es wurden verschiedene Praxisbeispiele von Holzbauprojekten vorgestellt, bei denen es schiefgelaufen ist. Gebäude, in denen Feuchtigkeitsprobleme auftraten, in denen Holzfäule auftrat oder in denen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich waren. In einigen Fällen handelte es sich sogar um Gebäude, die bereits nach wenigen Jahren wieder abgerissen werden mussten. Auch bei diesen Projekten gab es eine gute Planung, eine gute Detailgestaltung und eine sorgfältige Ausführung. Und doch ist es wirklich schiefgelaufen.
Solche Beispiele zeigen, dass die Praxis manchmal wesentlich schwieriger ist als die Theorie.
„Theoretisch beugt gutes Design den meisten Problemen vor. In der Praxis sieht das anders aus.“
Theorie und Praxis
Ein gutes Design und eine sorgfältige Vorbereitung bilden natürlich nach wie vor die Grundlage jedes Gebäudes.
Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass sich ein Gebäude nicht immer genau so verhält, wie es in den Plänen vorgesehen ist. Die Ausführung weicht immer vom Entwurf ab. Außerdem treten auf der Baustelle regelmäßig Situationen auf, die im Voraus nur schwer vollständig vorhersehbar sind.
Das beobachten wir auch in unserer täglichen Praxis. Wir erhalten regelmäßig Anrufe, wenn irgendwo etwas nicht in Ordnung ist. Wenn Feuchtigkeitsprobleme auftreten, wenn Zweifel am Zustand einer Konstruktion bestehen oder wenn man einfach nur verstehen möchte, was in einem Gebäude vor sich geht.
Oft sind es gerade diese kleinen Unterschiede und Überraschungen, die darüber entscheiden, wie sich eine Konstruktion langfristig verhält. Ein Detail, das im Entwurf logisch erscheint, kann sich in der Praxis anders auswirken. Entscheidungen, die während der Planung oder Bauvorbereitung getroffen wurden, können unter dem Einfluss der Ausführung, der Nutzung oder der Umstände eine andere Wirkung haben als erwartet.
In vielen Fällen entsteht ein Problem nicht durch einen einzigen großen Fehler, sondern durch eine Anhäufung kleiner Abweichungen. Ein Detail, das ganz leicht anders ausgeführt wird, eine unerwartete Feuchtigkeitsbelastung, eine Konstruktion, die schlechter trocknet als angenommen – für sich genommen scheinen dies Kleinigkeiten zu sein, doch zusammen können sie entscheidend dafür sein, wie sich ein Gebäude entwickelt.
Bei Holzkonstruktionen kann dies besonders relevant sein. Wenn Feuchtigkeit über einen längeren Zeitraum in einer Konstruktion verbleibt, kann dies letztendlich zu einer Beschädigung des Materials führen
Ein kleines Detail – die Naht
Ein anschauliches Beispiel ist ein scheinbar kleines Detail: eine Dichtungsfuge. Bei einem Kunden stellte sich während eines Zeitraums mit starkem Schneefall heraus, dass Wasser in die Konstruktion eindrang. Die Ursache war letztlich eine kleine Abweichung in einer Dichtungsfuge. An sich ein Detail, dem in vielen Projekten kaum Beachtung geschenkt wird.
In diesem Fall stellten Sensoren eine Abweichung bei den Messwerten fest. Dadurch wurde das Problem schnell erkannt und konnte relativ einfach behoben werden. Ohne diese Meldung wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass das Problem erst viel später entdeckt worden wäre, was möglicherweise schwerwiegende Folgen für die Konstruktion gehabt hätte.
Das zeigt deutlich, wie entscheidend manche scheinbar unbedeutenden Details sein können. Ein Gebäude kann sorgfältig geplant, gut vorbereitet und ordentlich ausgeführt sein – und doch kann letztendlich ein einziges kleines Detail den Ausschlag geben.
„Wir schoben den Schnee beiseite und sahen das Problem. Ohne Sensoren hätten wir das nie herausgefunden.“ Nico Utberg – ERA Contour
Ein Gebäude mit Sensoren vollzustopfen, ist nicht die Lösung
Gleichzeitig ist es auch keine Lösung, ein Gebäude einfach nur mit Sensoren vollzustopfen.
Die Überwachung ist kein Selbstzweck. Letztendlich geht es nicht darum, so viel Elektronik wie möglich in ein Gebäude zu integrieren, sondern darum, besser zu verstehen, wie sich eine Konstruktion in der Praxis verhält und wo die tatsächlichen Risiken liegen.
Die Lösung liegt daher meist nicht in einer einzigen Maßnahme. Es geht um eine Kombination verschiedener Faktoren, die zusammenpassen müssen:
- gutes Design
- eine sorgfältige Vorbereitung
- eine gute Umsetzung
- und einen Einblick in das tatsächliche Verhalten einer Konstruktion
Messungen können dabei helfen, aber vor allem an den Stellen, an denen dies wirklich relevant ist. Nicht überall, sondern dort, wo ein Detail besonders heikel ist, wo eine spätere Inspektion schwierig wird oder wo sich Feuchtigkeit ansammeln kann.
Gerade dadurch, dass man sich zunächst gründlich mit den Risiken auseinandersetzt und anschließend gezielte Messungen durchführt, entsteht ein besseres Gleichgewicht zwischen Entwurf, Umsetzung und praktischen Erkenntnissen.
Messen, wo nötig
Deshalb beginnt das Monitoring in der Praxis oft mit einer Risikoanalyse.
Nicht jedes Gebäude birgt die gleichen Risiken, und nicht jedes Detail erfordert Messungen. Es macht wenig Sinn, ein Gebäude wahllos mit Sensoren zu übersäen. Viel sinnvoller ist es, zunächst zu prüfen, an welchen Stellen einer Konstruktion die größte Wahrscheinlichkeit für Probleme besteht.
Bei einer Risikoanalyse werden unter anderem Orte untersucht, an denen:
- Feuchtigkeit kann eindringen
- sich Flüssigkeit ansammeln kann
- Konstruktionen trocknen nur schwer
- eine Inspektion später schwierig oder unmöglich wird
Auf dieser Grundlage lässt sich feststellen, wo Messungen tatsächlich einen Mehrwert bieten.
„Ein Gebäude mit Sensoren vollzustopfen, ist nicht die Lösung. Man sollte vor allem dort messen, wo es darauf ankommt.“
Wo messen?
Im Holzbau lassen sich Messstellen in der Regel in zwei Kategorien einteilen.
Die erste Kategorie umfasst Messungen im Holz selbst.
Die zweite Kategorie umfasst Messungen in Hohlräumen, Vertiefungen oder Aussparungen rund um die Konstruktion.
Beide liefern unterschiedliche Informationen und ergänzen sich gegenseitig.
Messen im Holz
Messungen im Holz geben Aufschluss über den Feuchtigkeitsgehalt der Konstruktion selbst. Dies ist vor allem an Stellen relevant, an denen das Holz später nicht mehr sichtbar oder zugänglich ist. Sobald eine Konstruktion fertiggestellt ist, verschwinden viele Holzteile buchstäblich aus dem Blickfeld.
Denken Sie beispielsweise an CLT-Elemente oder Holzbauteile, die abgedeckt werden durch:
- Aufbauten
- Fassadensysteme
- Bodenbeläge
Aber auch an konstruktiven Details wie:
- Auflager von Balkonen und Galerien
An diesen Stellen können Wasser oder Feuchtigkeit relativ leicht in die Konstruktion eindringen, während eine spätere Inspektion schwierig oder unmöglich wird. Wenn hier Feuchtigkeit in das Holz gelangt, kann dies lange Zeit unbemerkt bleiben. Durch die Messung der Holzfeuchte an diesen Stellen erhält man Aufschluss über Fragen wie:
- Bleibt das Holz trocken?
- Wie reagiert das Holz auf vorübergehende Feuchtigkeitsbelastung?
- Kann das Material wieder ausreichend trocknen?
Gerade an Stellen, die später nicht mehr inspiziert werden können, kann die Überwachung dazu beitragen, das Verhalten der Konstruktion besser zu verstehen.
Messen in Räumen, Hohlräumen und Aussparungen
Zudem gibt es in Gebäuden viele versteckte Bereiche, in denen sich feuchte Luft bilden oder ansammeln kann. In diesen Bereichen werden in der Regel Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit gemessen. So lässt sich feststellen, ob Bedingungen entstehen, unter denen es zu Kondensation kommen kann.
Mindestens ebenso wichtig ist jedoch, dass an solchen Stellen Feuchtigkeit entstehen oder eindringen kann, beispielsweise durch Undichtigkeiten, Eindringen von Wasser oder lokale Wasseransammlungen.
Typische Beispiele für solche Räume sind:
- Installationsaussparungen um Fallrohre
- Räume rund um das Badezimmer
- Hohlräume unter Dachrinnenkonstruktionen
- Räume unter den Aufschüttungen auf Flachdächern
Dies sind Stellen, an denen Feuchtigkeit relativ leicht eindringen oder sich ansammeln kann, während Probleme oft lange Zeit verborgen bleiben.
Messungen können hier dabei helfen, frühzeitig zu erkennen, wenn Umstände eintreten, die Risiken mit sich bringen – beispielsweise weil die Luft über einen längeren Zeitraum sehr feucht bleibt oder weil eine unerwartete Feuchtigkeitsbelastung auftritt.
„Viele Feuchtigkeitsprobleme entstehen nicht im Holz selbst, sondern in versteckten Bereichen, in denen sich Feuchtigkeit ansammeln kann.“
Das Dach als entscheidender Bestandteil
Beim Holzbau verdient ein Bauteil fast immer besondere Aufmerksamkeit: das Dach. Schließlich ist das Dach dem größten Wasserdruck eines Gebäudes ausgesetzt. Wenn irgendwo Wasser eindringt, geschieht dies oft über das Dach.
Im traditionellen Bauwesen hat ein Wasserschaden meist vor allem Auswirkungen auf die Oberflächenbeschaffenheit oder die Nutzung eines Raumes. Die Konstruktion selbst wird dadurch selten direkt beeinträchtigt. Beim Holzbau – und ganz besonders bei CLT-Konstruktionen – sieht das anders aus. Wenn Wasser in die Konstruktion eindringt und dort über einen längeren Zeitraum verbleibt, kann dies tatsächlich Auswirkungen auf das Material haben. Genau aus diesem Grund wird das Dach beim Holzbau oft als einer der ersten Bestandteile bei einer Risikobewertung betrachtet.
Wetguard als naheliegende Wahl
In der Bauphase wird heutzutage bei vielen Projekten mit einer Wetterschutzabdeckung gearbeitet. Das scheint mittlerweile fast schon der De-facto-Standard zu sein. Und das ist auch logisch: Sie schützt die Holzkonstruktion vor Regen und Feuchtigkeit, solange das Gebäude noch nicht vollständig geschlossen ist. Doch diese logische Entscheidung bringt gleichzeitig bauliche Herausforderungen mit sich.
Bei der Dachkonstruktion, insbesondere bei einem vollverklebten Dach, sollte zunächst eine (bituminöse) Dampfsperre oder wasserabweisende Schicht auf der Konstruktion angebracht werden. Dies geschieht in der Regel, indem diese Schicht auf den Untergrund aufgeschweißt wird, woraufhin die Dämmung und schließlich die Dachdeckung folgen.
Wenn jedoch ein Wetguard auf der Konstruktion liegt, stellt sich sofort die Frage:
Wie bringt man eine Dampfsperre oder eine wasserabweisende Schicht an? Diesekann man schließlich nicht einfach auf einen Wetguard aufschweißen.
Damit verlagert sich die Diskussion plötzlich vom Schutz des Holzes hin zur Logik der Dachkonstruktion:
- Bleibt der LawGuard Teil des Systems?
- Muss dazwischen eine zusätzliche Schutzschicht eingebaut werden?
- Und was ist dann die richtige Dampfsperre?
Deshalb ist das Dach so wichtig
Genau aus diesem Grund ist das Dach beim Holzbau nicht nur eine Frage der Details, sondern oft einer der kritischsten Bestandteile des Gebäudes. Nicht nur wegen der Wasserbelastung, sondern auch, weil Entscheidungen hinsichtlich der Dachkonstruktion – wie beispielsweise der Einbau eines Wetguards – direkten Einfluss darauf haben, wie der Rest des Systems aufgebaut wird.
Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, an kritischen Dachdetails Messungen durchzuführen. Dies kann beispielsweise im Holz selbst erfolgen, aber auch in Hohlräumen der Konstruktion oder in Bereichen um Dachdetails herum, in denen sich Feuchtigkeit ansammeln kann.
„Beim Holzbau kann ein Wassereinbruch durch das Dach unmittelbare Auswirkungen auf die Konstruktion haben.“
Von Annahmen zu Erkenntnissen
Bei der Diskussion über den Holzbau geht es oft um Brandgefahr oder Feuchtigkeit. Doch vielleicht liegt die eigentliche Herausforderung ganz woanders. Es geht darum, dass wir besser verstehen müssen, wie sich Gebäude in der Praxis verhalten.
Ein gutes Design bleibt die Grundlage. Aber Praxisdaten helfen dabei, Annahmen zu überprüfen und Erfahrungen zu sammeln. Nicht, indem man Gebäude mit Sensoren vollstopft, sondern indem man gezielt dort misst, wo es darauf ankommt.
Denn letztendlich erfordert der Holzbau nicht nur eine gute Planung. Er erfordert auch ein Verständnis dafür, welche Funktionen Gebäude tatsächlich erfüllen.
Erst überlegen, dann handeln
Wir helfen regelmäßig in Situationen, in denen bereits Probleme aufgetreten sind. Wenn Feuchtigkeit in einer Konstruktion vorhanden ist, wenn Zweifel am Zustand des Holzes aufkommen oder wenn einfach nicht klar ist, was in einem Gebäude vor sich geht. In solchen Fällen schauen wir uns die Situation gerne an, um zu verstehen, worum es geht und wie das Problem gelöst werden kann.
Aber ehrlich gesagt helfen wir lieber dabei, solche Situationen von vornherein zu vermeiden. Gerade in der Phase, in der über Risiken, Details und Entscheidungen beim Bau eines Gebäudes nachgedacht wird, kann ein gutes Gespräch oft schon viel Klarheit schaffen.
Dabei denken wir gerne mit. Denn letztendlich trifft beim Holzbau vielleicht doch das alte Sprichwort am besten zu: Erst überlegen, dann handeln.
Wer sich darüber austauschen oder Erfahrungen teilen möchte, kann sich jederzeit gerne bei uns melden. Wir denken gerne mit – manchmal reicht schon ein kurzes Gespräch, um einige wichtige Risiken zu erkennen.
„Beim Holzbau gilt vielleicht mehr denn je das alte Sprichwort: Erst überlegen, dann handeln.“